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am 7. Oktober

Bericht des Umweltgemeinderates

Didi Pfeiler - Zum Ausbau der A22 im Bereich Stockerau und zum Eschentriebsterben in unserem Naturschutzgebiet.

Ausbau der A22 im Bereich Stockerau

Die Aktivisten und Aktivistinnen der Bürgerinitiative Tunnel – Grüner Übergang haben das eingereichte Projekt der ASFinAG detailliert analysiert. Die Ergebnisse dieser Analyse wurden bei einer Veranstaltung der BI am 24. 09. 2019 vorgestellt. Bei dieser Analyse wurden von der Bürgerinitiative zahlreiche Mängel im eingereichten Projekt der ASFinAG aufgezeigt, die ich Ihnen kurz näher bringen möchte.

  • Die Verkehrsprognose ist mit 0,9% Verkehrsentwicklung pro Jahr sehr, sehr niedrig angesetzt, deutlich unter der Langfristentwicklung der letzten Jahre. Die Prognose des Lkw-Verkehrs liegt mit 0,44% sogar noch deutlich unter dieser niedrigen Prognose. Die Realität hat die Verkehrsprognose bereits 2019 überholt. Die Pkw-Zahlen für 2019 wurden von der Prognose erst 2026 erwartet, die Lkw-Zahlen 2019 erst für nach 2035 prognostiziert.
    Die Europaspange (Anm.: Waldviertelautobahn), die im Paket mit dem Ausbau der A22 kommuniziert wurde, ist nach wie vor nicht in der Prognose enthalten, wird aber erhebliche Lkw-Transitverkehre über die A22 anziehen.
    Die Verkehrsprognose für den Gesamtverkehr und den Lkw-Verkehr sind die Grundlage für die Ermittlung der Emissionen für Lärm und Luftschadstoffe. Der Mangel bei der Verkehrsprognose setzt sich daher als Mangel bei der Beurteilung der Lärm- und Luftschadstoffe fort.  
  • Lärmberechnung: Zusätzlich zu den niedrigen Verkehrsprognosen mit einem sinkenden (!) Lkw-Anteil kommt hinzu, dass nicht die realen Lkw-Geschwindigkeiten berücksichtigt wurden. Weiters wurde mit Standardfaktoren und nicht mit den tatsächlich in Stockerau auftretenden Faktoren aus den Ist-Daten der Zählstellen weitergerechnet.
  • Luftschadstoffe: Der Mangel bei der Bewertung der Luft-Schadstoffsituation ist in der für das Stadtgebiet nicht repräsentativen Lage der Meßstelle Rudolf-Diesel-Straße und damit nicht repräsentativen Beurteilung der Grundbelastung begründet. Hinzu kommen auch hier die niedrigen Verkehrsprognosen. Weiters fehlen Aussagen zum Ultrafeinstaub.
  • Querungen von der Stadt in die Au: Für Zugänglichkeit von der Stadt in die Au gibt es keine Verbesserungen im Projekt.
  • Ein weiterer Mangel, der von der BI festgestellt wurde ist, dass der Erholungswert der Landschaft nicht beurteilt wurde.

Für diese zeitaufwändige und gründliche Recherchearbeit der Aktivisten und Aktivistinnen der Bürgerinitiative Tunnel – Grüner Übergang möchte ich hier ausdrücklich Danke sagen! Hier wurde und wird unbezahlbare und wertvolle Arbeit geleistet. Ich hoffe, dass durch die festgestellten Mängel noch substantielle Projektverbesserungen für Stockerau erzielt werden können.


Eschentriebsterben im Naturschutzgebiet Stockerauer Au

Die Auwaldbestände, aber auch andere Waldbestände, sind stark vom Eschentriebsterben betroffen. Im Naturschutzgebiet Stockerauer Au wurde in den letzten drei Jahren sehr umsichtig vorgegangen. Entlang der Wege wurden die Bäume laufend kontrolliert und ausschließlich befallene Eschen entnommen, wodurch die angemessene Sorgfalt für die Sicherheit entlang der Wege gewährleistet i

Durch diese behutsame Vorgangweise konnte in großen Bereichen das gewohnte Waldbild weitgehend erhalten werden.  Die entstandenen Bestandsauflichtungen bieten Raum für die angestrebte Naturverjüngung. Durch diese Vorgangsweise ist auch gewährleistet, dass der Übergang zu einem Auwald mit absehbar niedrigerem Eschenbestand kontinuierlich ablaufen kann, mit den erforderlichen Anpassungsprozessen. Gleichzeitig bleibt das genetische Material von Eschen ohne Befallserscheinungen erhalten, während dies beim Entfernen der Eschen unwiederbringlich verloren wäre.

Diese Vorgangsweise wird von Fachleuten der MA49, der Forstverwaltung der Stadt Wien, und vielen anderen Expertinnen und Experten als vorbildlich bezeichnet. Fachleute beurteilen unseren Auwald in ökologischer Hinsicht als sehr hochwertiges Naturwaldreservat, von der ökologischen Wertigkeit und Vielfalt durchaus mit dem Nationalpark Donauauen vergleichbar.

Die erholungssuchenden Stockerauerinnen und Stockerauer finden in unserer Au nach wie vor das vor, was sie dort suchen: Kühlung, Schatten und das auwaldtypische Mikroklima.

Die Mär über die plötzlich umfallenden Eschen muss auch noch korrigiert werden. Diese stammt aus der Beginnzeit des Eschentriebsterbens. Mittlerweile sind Fachleute und Baumgutachterinnen und Baumgutachter entsprechend geschult, um die Befallserscheinungen und die Standfestigkeit der Eschen beurteilen zu können.

In meiner Funktion als Umweltgemeinderat möchte ich in dieser Sache von meinem Empfehlungsrecht Gebrauch machen und die Empfehlung aussprechen, dass die bisher im Naturschutzgebiet Stockerauer Au gewählte Vorgangsweise beim Eschentriebsterben beibehalten wird.

Zur rechtlichen oder fachlichen Absicherung erscheint es sinnvoll, externe Beratung und Begleitung in Anspruch zu nehmen. Entsprechende fachliche Beratungsangebote, insbesondere für Rechtsfragen der Wegehalterhaftung, liegen bereits vor. Ich hoffe, wir können im kommenden Umweltausschuss zur Beibehaltung der bisherigen Vorgangsweise und betreffend der Inanspruchnahme externer Expertisen einen Konsens finden.

In 5, 10 oder 15 Jahren könnte es sein, dass Menschen zu uns nach Stockerau kommen, weil es hier und nur hier noch große und mächtige Eschen gibt, die andernorts vorschnell gefällt wurden.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

(Dieser Bericht wurde bei der Gemeinderatssitzung am 30. 09. 2019 von unserem Umweltstadtrat Didi Pfeiler abgegeben.)