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am 12. November 2019

Eschengutachten liegt vor!

Didi Pfeiler - Das Eschengutachten liegt vor – wir sind erleichtert und sehen uns bestätigt!


Als Grüne sehen wir uns inhaltlich bestätigt und sind erleichtert: In unserem Naturjuwel Stockerauer Au soll weiterhin selektiv und differenziert vorgegangen und auf den Einsatz von Harvestern verzichtet werden, so der Gutachter. Auch der betrachtete Abstandsstreifen links und rechts der Wege soll nunmehr eine einfache Baumlänge betragen und variabel gehandhabt werden, was im Einklang mit der Naturschutzverordnung steht.

In unserer Au besteht betreffend des Eschentriebsterbens laufender Handlungsbedarf. Das stand und steht für uns außer Zweifel. Daher habe ich als zuständiger Stadtrat für die Au bereits im Juni vorgeschlagen, einen externen unabhängigen Gutachter zu beauftragen. Der Blick von außen sollte Übersicht und Klarheit schaffen, so meine damalige Intention. Die Ergebnisse sollten dann rasch umgesetzt und auch die Verjüngungsmaßnahmen im Auge behalten werden (siehe unser Beitrag: Stockerauer AU-genhöhe​​). Nach langem Zögern ist die ÖVP dann Ende September auf diese Linie eingeschwenkt. Nun liegen die Ergebnisse des Gutachters am Tisch.

Wir sehen uns vielfach bestätigt:

  • Im Augebiet ist eine differenzierte, selektive Entnahme der erkrankten Eschen sinnvoll und möglich. Wir Grünen hatten uns stets für eine differenzierte Beurteilung und Entnahme ausgesprochen. Nicht oder gering geschädigte Bäume sollten im Bestand belassen werden, um die Chance auf die Herausbildung von resistenten Eschen zu wahren.
  • Die Entnahme einer einfachen Baumlänge links und rechts der Wege wird als ausreichend angesehen. Die konkrete Festlegung vor Ort soll variabel entsprechend der tatsächlichen Baumhöhe erfolgen. Die Entnahme auf 1,5-fache Baumlänge bzw. 45m links und rechts der Wege ist nicht erforderlich, denn durch die in den letzten Jahren erfolgte sukzessive Entnahme ist der „Domino“-Effekt nicht mehr relevant. Wir Grünen haben laufend auf die Einhaltung der für unsere Stockerauer Au relevanten Naturschutzverordnung gepocht, die eindeutig eine einfache Baumlänge für die Wahrung der Wegesicherheit festlegt.
  • Kein Einsatz von Harvestern (Vollholzerntern). Auch aus unserer Sicht ist der Einsatz von Harvestern nicht mit einer differenzierten, schonenden Entnahme der erkrankten Bäume vereinbar gewesen.

Von den im Gutachten betrachteten Eschen entlang der Wege können 13% verbleiben. Der Ausleseprozess von Eschen, die höheren Widerstand gegen die Krankheit aufweisen, ist somit weit fortgeschritten. Dennoch lebt die Chance, dass einzelne Eschen in unserer Au hohe Resistenzen aufweisen. Wer weiß, vielleicht können wir uns in ein paar Jahren glücklich schätzen, weil bei uns in der Au eine der wenigen resistenten „Wunder-Eschen“ überlebt hat. Der Veränderungsprozess in unserer Au, hin zu einem geringeren Eschenanteil, ist im Gange. Gerade in einem Naturschutzgebiet sollte dem Wald die notwendige Zeit und der Raum gegeben werden, diese Veränderungsprozesse natürlich und schonend ablaufen zu lassen.

Die Maßnahmen zur Herstellung der Wegesicherheit, auch entlang des Göllersbaches, werden in den kommenden Monaten und ausschließlich vom städtischen Bauhof im Zusammenwirken mit den Selbstwerberinnen und Selbstwerbern (Privatpersonen, die auf zugewiesenen Flächen Brennholz herstellen) bis zum Frühjahr 2020 erfolgen.

Als konstruktiv-kritische und einzige Oppositionspartei im Stockerauer Gemeinderat war es uns Grünen möglich, mutig, engagiert und im Sinne der Sache für unser Naturschutzgebiet einzutreten. Als Umweltgemeinderat sah ich es als meine Pflicht, die Einhaltung der gültigen Naturschutz-Verordnung einzufordern und darauf hinzuweisen. Wir denken, dass Bürgermeisterin Völkl anfangs schlecht beraten war. Umso mehr freut es uns, dass spät, aber doch, eingeschwenkt wurde.

Ausblick

Besondere Aufmerksamkeit sollte nun auf die Bestandsverjüngung unserer Au gelenkt werden. Der Schwerpunkt sollte auf der Naturverjüngung liegen, punktuell und wo notwendig, mit Nachpflanzung von standortgerechten Baumarten ergänzt. In Kooperation mit Universitäten könnte jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit gegeben werden, die  Veränderungsprozesse in unserer Au zu begleiten und an diesen zu forschen. Ausgewiesene Monitoringflächen könnten hierfür die Grundlage liefern.

Unsere Au - seit 20 Jahren Naturschutzgebiet!

Die Erklärung unserer Stockerauer Au zum Naturschutzgebiet erfolgte vor 20 Jahren, am 21.9.1999. Es ist eine besondere Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet in diesem Jubiläumsjahr eine heftige politische Debatte über unser Naturschutzgebiet geführt wurde. Positiv betrachtet hat diese Debatte wahrscheinlich zu einem geschärften Bewusstsein über den hohen ökologischen Wert unseres Naturschutzgebietes Stockerauer Au beigetragen.