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am 1. August

Seien wir klimarealistisch!

Radha Kamath-Petters - Warten wir nicht mehr länger. Ergreifen auch wir in unserer Stadt Maßnahmen gegen die Klimakrise. Denn jeder Beitrag zählt.

Zurück aus Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg, spüre ich die extrem trockene, überaus große Hitze hier in Stockerau umso mehr. Es sind kaum Menschen auf der Straße, dafür sind viele Autos unterwegs und überfüllen die Parkplätze im Ortsgebiet und vor dem Freibad. Auch der nicht zum Parken vorgesehene Grünstreifen beim Freibadparkplatz ist bei hohen Temperaturen fast immer mit PKWs verstellt, die Fahrradständer hingegen halbleer. Markierte Temporegelungen werden nicht immer eingehalten.

500 Meter Autofahren, ein Kilo Eis“

Was es heute bewirkt, auch nur für kurze Strecken ins Auto zu steigen, zeigen Studienautor und Gletscherforscher Georg Kaser von der Uni Innsbruck und seine KollegInnen: 500 Meter Autofahren, 1 Kilo Eis​.

Bewusstes Autofahren ist die Zukunft und daran sollten wir uns gewöhnen. Überlassen wir das Autofahren doch jenen:​ Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und natürlich ​allen Menschen, die keine andere Wahl haben - die Gründe dafür gibt es und diese Gründe kennen wir alle. ​

Was wir brauchen, sind Vorbilder aus der Politik

Manche meiner politischen KollegInnen im Rathaus fahren fast ausschließlich mit dem Auto. Sie gehen kaum zu Fuß und sind sozusagen Sonntags- oder AusflugsradlerInnen, manch einer verwehrt sich sogar gänzlich gegen das Radfahren, er mag es nicht und sieht keine Notwendigkeit darin. Und weiter oben in der politischen Hierarchie, nämlich in der Bundespolitik, ist der Klimawandel gar kein Thema mehr. Es werden hie und da vielleicht ein paar schöne Schlagzeilen produziert, lang andauernde emotionale Aufreger werden in diesem Fall hingegen vermieden. Dafür werden streckenweise 140 km/h auf der Autobahn eingeführt. Mit dem Argument, dass sich die Technologien ändern und dass es nicht mehr zeitgemäß ist, wenn Leute mit neuen, tollen Autos nicht schneller fahren dürfen.

Die SPÖ/FPÖ-Stadtregierung muss in Stockerau auf jeden Fall endlich damit aufhören, das Thema Klimawandel und die damit einhergehenden gesundheitlichen, ökologischen und sozialen Folgen zu ignorieren. Denn Menschen und Tiere leiden während der zu lange andauernden Hitzeperioden. Die Stadtregierung muss endlich Rahmenbedingungen schaffen, damit das Stehenlassen der Autos einfacher wird und damit die Stadt an kühler Lebensqualität im Sommer zunimmt.

Seit 40 Jahren ist bekannt, wie ernst das Thema ist. Die letzten 15 Jahre ist die Klimakrise direkt spürbar. Wir sind es Älteren und Menschen mit Herzkreislauferkrankungen, den Babies und kleinen Kindern und der nachfolgenden Generation schuldig, endlich aktiv gegen die negativen Auswirkungen des Klimawandels anzutreten. Wir müssen aktiv an einer guten Lebensqualität trotz Klimawandel arbeiten.

Folgende Maßnahmen müssen in Stockerau endlich umgesetzt werden:

  • ​Ausbau der Öffis (im Sommer z.B. zum Freibad, am Wochenende und außerhalb der Stoßzeiten in die umliegenden Dörfer, etc.)
  • Sanierung und Lückenschließung des Fahrradwegenetzes
  • Stärkung des Bewusstseins für Gesundheitsrisiken, besonders für ältere und kranke Menschen und für Familien mit kleinen Kindern 
  • Langfristige Planung für die Pflanzung von schattenspendenden Bäumen 
  • Mehr Sitzgelegenheiten an schattigen Plätzen und die Zurverfügungstellung von Wasser im Stadtzentrum
  • ​Besondere Pflege (Wasserzufuhr) von Grünräumen, Bäumen und Sträuchern
  • Erhaltung und Schaffung von Korridoren für die Luftzirkulation und Freiräume für die Kühl- und Frischluftversorgung
  • Andere aktive raumplanerische Entwürfe, dem Klimawandel angepasst (Überprüfung der Planungsrichtlinien und Instrumente für die Herausforderungen des Klimawandels, Zusammenarbeit mit FachplanerInnen, veränderte/strengere Nutzungs- und Bebauungsrichtlinien, Berücksichtigung von bioklimatischen Faktoren bei der städtebaulichen Entwicklung)
  • Den Verkehr in richtige Bahnen lenken (Evaluierung und schrittweise Umsetzung des Verkehrskonzepts).
  • Stopp von Parkplatzbau auf kosten von Grünraum! (siehe dazu die Juni-Ausgabe unserer Zeitung im Archiv: Grüne Zeitung, Juni 2018​​​)​

Worauf warten wir? Dass die schwarz-blaue Bundesregierung Umwelt- und Klimaschutzgesetze beschließt und sie uns Gemeinden zur Umsetzung vorlegt? Da können wir lange warten, das wird nicht funktionieren. Die Klimakrise braucht Klimarealismus und unser Bürgermeister, auch wenn er mit der FPÖ einen Regierungspakt eingegangen ist, soll das endlich erkennen und nachhaltige Maßnahmen dafür setzen. Denn jeder Beitrag in jeder Gemeinde zählt.